Geschichte: Treffpunkt bei „Tante Anna“ in Oberstedten

Treffpunkt bei „Tante Anna“

Oberstedtens Gasthaus mit Geschichte

Alte Postkarte mit dem Lokal „Tante Anna\" Anfang des letzten Jahrhunderts
Alte Postkarte mit dem Lokal „Zum Taunus" Ende des 19. Jahrhunderts

Schon vor über 100 Jahren betrieb unsere Familie im historischen Ortszentrum die weit über die Ortsgrenzen hinaus bekannte Gastwirtschaft „Zum Taunus“ in Oberstedten. Sie war und ist Treffpunkt für viele Menschen aus Oberstedten und von außerhalb.

Die Geschwister Fritz, Philipp, Anna und Sophie Wagner betrieben die Gastwirtschaft gemeinsam. Fritz war auch für die Landwirtschaft zuständig, Philipp für das Keltern und die Pflege des Apfelweins, Anna für den Schankraum und die Gäste und Sophie für die Küche. Es wurden bis zu 50.000 Liter Apfelwein auf den eigenen Wiesen mit Kelteräpfeln von Hochstammapfelbäumen selbst erzeugt und ausgeschenkt.

Von Homburg und Frankfurt, von Nah und Fern, Da gehen die Leute nach Oberstedten so gern. Sie kehren bei Wagner ein, das wundert mich nicht, Weil da man stets guten Äpfelwein kriegt. Den Speierling noch besser, wie ist der schön klar, Der perlt wie Champagner und schmecktwunderbar. Wird Schinken und Handkäs mit Butter bestellt, So sagen die Leute, man hat was für’s Geld.
Gedicht über das beliebte Lokal "Zum Taunus" auf alten Ansichtskarten

Der selbstgekelterte Apfelwein, riesige Rippchen und Rumpsteaks und das selbstgebackene und dick belegte Brot zogen eine zahlreiche Gästeschar an. Man traf sich gern in der großen Gartenwirtschaft auf einen Schoppen unter den Linden. Im großen Saal fanden Feiern, Tanzveranstaltungen, Chorauftritte und Theater statt. Bis heute schwärmen die alten Oberstedter von den tollen Festen im Saal der Tante Anna in der Aufbruchszeit nach dem Krieg bis in die Achtzigerjahre.

Eigentlich hieß die Gaststätte „Zum Taunus“ und wurde von den Geschwistern Wagner betrieben. Aber die Wirtin Anna Wagner, die immer in der Gaststube präsent war, hatte einen legendären Ruf, war berühmt bis nach Frankfurt und hatte eine große Zahl heimlicher und offener Verehrer. Für viele Menschen war das Lokal ein Stück Heimat. Deshalb nannten die Gäste das Lokal irgendwann nach der Wirtin „Tante Anna“. Dieser Name wurde in den 50er-Jahren von den Wirtsleuten Wagner übernommen und überlagerte den ursprünglichen Namen der Gaststätte "Zum Taunus" immer mehr.  Heute wird von den nachfolgenden Pächtern nur noch der Name "Tante Anna" für das Restaurant verwendet.

„Zum Taunus“-Wirtin Anna Wagner
„Zum Taunus“-Wirtin Anna Wagner in jungen Jahren
„Tante Anna“ inmitten ihrer Gäste und Verehrer
„Tante Anna“ inmitten ihrer Gäste und Verehrer, die mit ihr älter geworden sind. 
Gaststätte "Zum Taunus" auf einer Ansichtskarte von 1914
Gartenwirtschaft der „Tante Anna“ früher
Die große Gartenwirtschaft vor dem 2. Weltkrieg
Gartenwirtschaft der „Tante Anna“ heute
Gemütliche Gartenwirtschaft heute unter alten Linden
Gaststätte „Tante Anna“ mit Garten früher und heute
Gaststätte „Zum Taunus / Tante Anna“ Anfang in den 80er Jahren
Die Gaststätte 2019 unter dem Namen „Tante Anna“

Nachdem die Anna im hohen Alter die Gaststätte nicht mehr betreiben konnte, wurde sie verpachtet. Unser griechischer Pächter bietet bis heute leckere griechische und deutsche Speisen an und hält die Tradition der großen Gartenwirtschaft aufrecht. „Tante Anna“ ist eine der letzten Gartenwirtschaften der Region unter uralten Linden. Unter dem Dach der majestätischen Linden ist es auch heute noch ein Genuss zu Speisen, zu Trinken und sich mit den Menschen des Ortes zu Treffen (>> "Tante Anna" Speiselokal, Oberstedten).

Der legendäre Apfelwein wurde mit alten traditionellen Hochstammapfelsorten auf Streuobstwiesen erzeugt, die bis heute in unserem Bestand sind. Es wurden zweihundert Jahre lang viele Apfelbäume auf den Streuobstwiesen gepflanzt, gepflegt und geerntet.

Da viele Apfelbäume in den letzten Jahren ihre Altersgrenze erreicht haben und nach und nach absterben, führen wir punktuell Wiederaufforstungen von Wiesenflächen mit traditionellen Apfelsorten, zur Erhaltung dieser traditionellen Streuobstwiesen. (siehe unter "Aktuell"). Hier leisten wir unseren Beitrag zur ökologischen Landschaftspflege und der Erhaltung der Naherholungsqualität von Oberstedten. Diese Grundstücke verpachten wir an Pferdehalter, Apfelweinfreunde, Vogelschutzgruppen oder sonstige Pachtinteressenten. In Zukunft werden wir auch Baumpatenschaften für Oberstedter Bürger anbieten. Die Baumpaten können dann "ihren" Baum ernten, müssen sich aber auch um ihn kümmern.

Einige unserer Flächen können sich aber weiterhin als Biotope und Ausgleichsflächen mit geringer Einflussnahme natürlich entwickeln.